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10.06.2026 – Bundesverband

LeitlinienIMPULS - Teil 4: Ein kurzer Wegweiser für Physiotherapeut*innen

Leitlinien (LL) sind eine wichtige Grundlage für moderne, hochwertige physiotherapeutische Versorgung. Sie helfen bei klinischen Entscheidungen, stärken die Profession und unterstützen Argumentation gegenüber Ärzt*innen, Kostenträgern und Patient*innen. Viele Kolleg*innen fragen aber: Und wo finde ich den physiotherapeutischen Teil einer Leitlinie? Wie verstehe ich die Empfehlungen richtig?

Wo du eine Leitlinie suchen kannst, haben wir bereits in Teil 1 unserer Serie erläutert. Nun hast du die Langfassung der für dich relevanten Leitlinie gefunden. Je nach Thema kann diese mehrere hundert Seiten lang sein. Das schreckt erstmal ab.

   

Wie kommt man nun schnell an die relevanten Infos?

Option 1: Der einfache Einstieg ist zunächst die Empfehlungsübersicht zu Beginn der Leitlinie zu screenen. Hier werden alle Empfehlung aus der Leitlinie gelistet. Diese Liste ist meist nur wenige Seiten lang und schnell überflogen.

Findet sich ein Bereich für die Physiotherapie, kann man dann den Begleittext im weiteren Verlauf der Leitlinie dazu lesen.
Der Begleittext fasst die wichtigsten Argumente für die Empfehlung zusammen, zeigt auf, welche Studienlage dahintersteht und was die Bedeutung für die Praxis ist.

Option 2: Das pdf-Dokument nach Stichworten durchsuchen. Relevante und häufig verwendete Stichworte sind:

  • „Physiotherapie“
  • „Training“
  • „Mobilisation“
  • „Rehabilitation“
  • „Nicht-medikamentöse Maßnahmen“

So kommt man mit wenig Klicks zu den relevanten Abschnitten.

Option 3: Zu einigen Leitlinien, an denen Mandatsträger*innen von Physio Deutschland mitgearbeitet haben, hat das Referat Bildung und Wissenschaft zusammenfassende Flyer erstellt. Die „Evidence goes Practice“-Flyer fassen die wichtigsten, für die Physiotherapie relevanten Empfehlungen, zusammen. Übersichtlich und handlich für die Praxis.  Die Liste aller Verfügbaren Flyer findest du hier. Alle Flyer sind im Mitgliederbereich zum Download verfügbar.

     

Auf die Empfehlungsstärken sind wir im ersten Monat von LeitlinienIMPULS eingegangen. Hier nochmal eine kurze Übersicht und Erklärung.

Empfehlungsstärken

  • starke Empfehlung („soll“)
  • Empfehlung („sollte“)
  • offene Empfehlung („kann“)

Bedeutung für die Praxis

  • Soll“ = sehr überzeugende Evidenz, der Nutzen ist deutlich
  • Sollte“ = gute Evidenz, aber z. B. abhängig von Patient*innenpräferenzen
  • Kann“ = Evidenz begrenzt, Entscheidung individuell

Zwei Beispiele aus der Leitlinie Nicht-spezifischer Nackenscherz:

Beispiel 1: Körperliche Aktivität soll bei nicht-spezifischen Nacken- schmerzen empfohlen werden.

Beispiel 2: Bewegungstherapie kann zur Behandlung akuter nicht- spezifischer Nackenschmerzen verordnet werden.

    

Mit diesen Tipps findest du zügig die Infos, die du für die Praxis brauchst und kannst sagen: „ich arbeite Leitlinien-konform“!