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29.08.2017

Flächendeckender Fachkräfteengpass in der Physiotherapie nachgewiesen

In neun Bundesländern ist der Fachkräftemangel in der Physiotherapie nachgewiesen. In sechs weiteren gibt es deutliche Anzeichen für einen Fachkräfteengpass. Nur Hamburg ist von diesem Trend bislang noch nicht betroffen.

"Im Vergleich zur Situation von vor einem Jahr hat sich die Engpasssituation deutlich angespannt", heißt es in der aktuellen Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit. Praktisch bedeutet das: Immer mehr offene Stellen bleiben immer länger unbesetzt und die Zahl der arbeitslosen Physiotherapeuten sinkt auf ein Rekordtief von einem Prozent.

Zweimal pro Jahr beleuchtet die Behörde die Fachkräftesituation in Deutschland. Die Physiotherapie taucht dort als einziger Heilmittelberuf auf – und das zum wiederholten Mal in Folge.

"Die Auswirkungen des Fachkräftemangels liegen auf der Hand und sind Aufhänger für unsere Gespräche mit der Politik im Bundestagswahlkampf und auch mit den Krankenkassen: Immer weniger Physiotherapeuten für immer mehr Patienten, die dringend eine therapeutische Versorgung benötigen. Das kann und darf nicht so bleiben", betont Thorsten Vogtländer, Geschäftsführer von PHYSIO-DEUTSCHLAND.

Physiotherapie erscheint erstmalig in der Positivliste – Zuwanderung erleichtert

Die Bundesagentur für Arbeit zieht erste Konsequenzen aus den Daten zur Physiotherapie und setzt unseren Beruf auf die sogenannte „Positivliste – Zuwanderung in Ausbildungsberufe“. Voraussetzung dafür ist, dass in mehr als zwei vorangegangenen Fachkräfteengpassanalysen nahezu bundesweite Engpässe festgestellt wurden. Dies ist für die Physiotherapie der Fall. 

 

Bislang war es nur für Physiotherapeuten aus der Europäischen Union (EU) und wenigen Ländern weltweit möglich, in den Arbeitsmarkt für Physiotherapeuten nach Deutschland einzuwandern.

Mit der Aufnahme der Physiotherapie in die Positivliste ist es nun möglich, dass Menschen außerhalb der EU unter Vorlage der Berufszulassung das Einreisevisum bei der Deutschen Auslandsvertretung im Heimatland beantragen können. Voraussetzung dafür ist die Berufszulassung als Physiotherapeut in Deutschland, die nach Prüfung der Gleichwertigkeit von der zuständigen Stelle ausgestellt wird. Sofern jemand  bereits in Deutschland lebt oder visumsfrei einreisen kann, ist die kommunale Ausländerbehörde zuständig.

Abstimmungen zu Fragen des Aufenthaltstitels zum Zwecke der Beschäftigung sind mit der Bundesagentur für Arbeit und der Ausländerbehörde zu klären. Allgemeine Informationen zum Arbeitsmarktzugang für ausländische Bewerberinnen und Bewerber sind im Internet abrufbar unter www.arbeitsagentur.de/arbeitsmarktzulassung

 

Zahlen schaffen Fakten – was Sie tun können

Die Fachkräfteengpassanalyse wird halbjährlich aktualisiert. Wir erwarten die nächsten Zahlen im 1. Halbjahr 2018. Bis dahin gilt unser Aufruf an alle Praxisinhaber weiter: Bitte veröffentlichen Sie Ihre offenen Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit. Schaffen Sie weiter Fakten, die die Politik nicht länger ignorieren kann.

 

Was wir tun

Für PHYSIO-DEUTSCHLAND steht fest: Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie ist Realität – für unsere Patienten und für alle Berufsangehörigen. Mit   unserem Forderungspaket  gehen wir im Bundestagswahlkampf weiter auf alle Parteien zu. Wir erläutern in persönlichen Gesprächen, wie unsere Forderungen dem Fachkräftemangel entgegenwirken und damit die therapeutische Patientenversorgung in Deutschland sichern. 

Auch in der Öffentlichkeit zeigen wir weiter den Nutzen der Physiotherapie auf und werben für unseren Beruf. Wir tun dies gemeinsam mit den Mitgliedsverbänden des Spitzenverbandes der Heilmittelverbände (SHV) und im Sinne der therapeutischen Berufe in Deutschland.